Love Your Neighbor.

Ich versuche meiner Tochter schon möglichst früh zu vermitteln, dass nichts selbstverständlich ist, alle Dinge einen Wert haben und wir Essen beispielsweise nicht einfach so wegschmeißen. Das klappt nicht immer super gut, aber ich muss sagen, sie bekommt mehr und mehr ein Gefühl für ihre Umwelt und hört mir bei meinen teilweise sehr ausufernden Erklärungen interessiert zu. Sie stellt etliche Fragen und ich sehe es ihr förmlich an, wie es im Kopf „rattert“.

Heut Abend im Auto hatten wir dann eine längere Unterhaltung. Wir kamen gerade vom Abendessen bei meiner Schwägerin und meine Kleine wollte weder heim noch hatte sie Ambitionen ins Bett zu gehen. Ihr fielen tausend Argumente ein, warum sie jetzt eben noch nicht schlafen gehen wolle.

Also holte ich etwas aus und brachte ihr entgegen, dass es ähnlich wie mit dem Essen sei. Wir können für unser Essen daheim sehr dankbar sein, denn es ist nicht selbstverständlich, dass der Kühlschrank immer voll ist. Viele Menschen auf der Welt haben noch nicht mal einen Kühlschrank. Und genau so ist es mit unserem Bett. Es gibt Kinder, die kein Bett haben und nur auf einer Matratze oder gar auf dem blanken Fußboden schlafen müssen, erklärte ich ihr, während ihre Augen dabei immer größer wurden.

Ihre Reaktion auf diese Tatsache rührte mich dann wirklich zu Tränen… sie schlug vor, ihre Spardose zu leeren und davon Betten für die Kinder zu kaufen, die keins haben. Man muss dazu sagen, dass die Spardose ihr ganzer Stolz ist und sie sich über jeden Cent freut, den sie reinstecken kann. Sie ist bereit etwas herzugeben, was ihr extrem wichtig ist, damit andere in einem richtigen Bett schlafen können.

Nachdem ich erstmal sprachlos und sehr gerührt war, dachte ich mir später so, können wir nicht alle so denken wie Kinder? So naiv vielleicht, aber so unfassbar richtig? Wo ist sie, die sogenannte Nächstenliebe… die Herzenswärme für Menschen, die es schwer haben?

Ich bin immer noch baff und musste mich wirklich selbst hinterfragen. Was bin ich bereit zu geben? Auch wenn wir regelmäßig spenden, gibt es doch immer noch Potenzial nach oben. Vor allem was den Umgang mit unseren Mitmenschen betrifft… wie oft beobachtet man heutzutage eigentlich noch, das älteren Menschen beim Tragen des Einkaufs geholfen wird oder Müttern der Kinderwagen aus der Bahn gehoben wird? Im Grunde selten bis kaum. Und wie schnell verurteilt man Leute, die Passanten anschnorren oder mit der Schnapsflasche am helllichtem Tag über die Karli laufen. Man sieht Bettler im letzten Lumpen auf dem Bürgersteig in der Innenstadt sitzen und ignoriert sie.

Natürlich sind einige von ihnen oft selbstverschuldet in eine solch missliche Lage gekommen. Aber ist das wirklich ein Grund komplett zu erkalten, wenn man das Elend genau vor der eigenen Nase sieht? Und was ist mit der alleinstehenden Nachbarsoma, die ihre schweren Wasserflaschen bis in die 3. Etage hievt und keine Enkelkinder zur Stelle hat?

Vielleicht ist es wirklich naiv zu glauben, dass alle ein Stück näher zusammenrücken und etwas von ihrem Glück teilen könnten. In Kindern ist das seltsamerweise angelegt. Sie werden keineswegs als selbstgerechte Egoisten geboren, davon bin ich überzeugt. Erich Kästner sagte einmal: „Mensch ist, wer ewig Kind bleibt.“ Ein schöner Gedanke!

Gute Nacht!

Eure Ly

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s